5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor Du Dein eigenes Seifenrezept zusammenstellst

Irgendwann kommt dieser Moment. Du hast ein paar Rezepte aus dem Internet nachgesiedet, weißt ungefähr, wie der Ablauf funktioniert – und plötzlich juckt es dich in den Fingern: Ich will mein eigenes Rezept entwickeln. Eins, das genau zu mir passt. Mit meinen Ölen, meinen Düften, meiner Vorstellung.

Das ist ein schöner Moment. Und ein wichtiger. Weil eigene Rezepte der Punkt sind, an dem Seife sieden wirklich zum Handwerk wird.

Aber bevor du meinen Seifenrechner öffnest und loslegst, gibt es fünf Fragen, die ich dir ans Herz legen möchte. Nicht als Besserwisserei. Sondern weil sie dein Ergebnis wirklich besser machen.

Frage 1: Feste oder flüssige Seife – und wie soll sie entstehen?

Bevor du überhaupt an Öle denkst, brauchst du zwei grundlegende Entscheidungen. Erstens: Willst du eine feste Seife (mit Natriumhydroxid, NaOH), eine flüssige Seife (mit Kaliumhydroxid, KOH) oder eine halbfeste Paste über eine Mischverseifung? Das bestimmt, welche Lauge du verwendest – und damit alles andere.

Zweitens, wenn du dich für NaOH entschieden hast: Kalt- oder Heißverseifung? Bei der Kaltverseifung reift die Seife nach dem Abfüllen mehrere Wochen – dafür lässt sie sich wunderschön gestalten: Swirls, Farben, Muster, Schichten. Bei der Heißverseifung wird der Seifenleim erhitzt und verseift schon während der Herstellung. Dadurch kannst du kurz vor dem Abfüllen noch Öle oder andere Zusätze ergänzen, die unverseift bleiben sollen. Plus: Die Seife ist schon nach wenigen Tagen nutzbar – dafür bleibt wenig Spielraum für Optik. Was ist dir bei deiner Seife wichtiger?

Frage 2: Für wen siedest du – und wie soll sich die Seife anfühlen?

Zwei Fragen, die eng zusammenhängen: Wer benutzt die Seife – und was soll sie können? Eine Seife für empfindliche, trockene Haut sieht komplett anders aus als eine für die Werkstatt oder als cremiges Duschvergnügen. Je klarer du das weißt, desto gezielter kannst du dein Rezept zusammenstellen.

Und damit verbunden: Soll sie hart und schaumreich sein oder eher weich und pflegend? Gesättigte Fettsäuren – viel davon in Kokosöl oder Sheabutter – machen Seifen fest und schaumreich. Ungesättigte Fettsäuren, wie in Olivenöl oder Süßmandelöl, sorgen für Pflege und Weichheit. Mein Seifenrechner zeigt dir die voraussichtlichen Eigenschaften deiner Rezeptzusammenstellung direkt an – das ist Gold wert beim Planen.

Frage 3: Wie viel Überfettung darf es sein?

Die Überfettung – also der Anteil Öl, der nicht verseift wird – entscheidet wesentlich darüber, wie sich die Seife auf der Haut anfühlt.

Für Haut- und Körperseifen empfehle ich meistens 6 bis 8 Prozent. Höher geht natürlich, aber dann steigt das Risiko, dass die Seife schneller ranzig wird. Niedriger, und sie reinigt sehr effektiv – vielleicht zu effektiv für empfindliche Haut. Diese Zahl trägst du in meinem Seifenrechner ein – und sie bestimmt, wie viel Lauge du brauchst.

Frage 4: Was soll noch rein – und passt das zusammen?

Ätherische Öle, Tonerden, Peelingstoffe, natürliche Farben, Kräuterextrakte – es gibt so viele Möglichkeiten, eine Seife zu veredeln. Aber nicht alles verträgt sich mit allem.

Bestimmte Parfumöle und ätherische Öle lassen den Seifenleim andicken – Gewürznelke zum Beispiel, oder Zimt. Zusätze wie Honig erhöhen die Wärmeentwicklung in der Form. Manche Farbpigmente sind nicht laugenstabil. Das sind keine Probleme, wenn du sie kennst – aber eine Überraschung beim ersten Versuch kann frustrierend sein. Mein Tipp: Wenn du etwas Neues einarbeiten willst, mach erst eine kleine Testcharge. 300 bis 500 Gramm reichen völlig.

Frage 5: Habe ich die Lauge neu berechnet?

Diese Frage klingt vielleicht selbstverständlich. Ist sie leider nicht immer. Es passiert erstaunlich oft, dass jemand ein bestehendes Rezept verändert – ein Öl tauscht, eine Menge anpasst – und die Laugenmenge einfach übernimmt. Aus Versehen. Oder weil er es nicht besser weiß. Wird schon gut gehen.

Wird es nicht immer. Jedes Öl hat seinen eigenen Verseifungswert, und jede Änderung im Rezept bedeutet: neue Berechnung. Immer. Ohne Ausnahme. Lauge ist ätzend, und eine falsche Menge kann die Seife unbrauchbar oder schlimmer machen.

Und dann: los!

Wenn du diese fünf Fragen beantwortet hast, heißt es ab an den Seifenrechner.

Eigene Rezepte zu entwickeln macht richtig Spaß. Und das schönste Gefühl ist, wenn du die fertige Seife in Händen hältst und weißt: Das war meine Idee. Das habe ich gemacht.

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