Wenn ich meinen Workshop zur ersten Seife halte, frage ich die Teilnehmer zu Beginn immer, was sie bisher davon abgehalten hat, zu sieden.
Immer wieder bekomme ich dann zu hören: „Ich habe gelesen, dass das gefährlich ist.“
Ich möchte Dir heute erklären, warum ich das anders sehe.
Das Wichtigste in Kürze
- Ist Seife sieden gefährlich? Nein – nicht, wenn Du die Lauge verstehst und sauber arbeitest.
- Gefährlich ist eigentlich nur der frische Seifenleim, und auch das nur für die ersten 2–3 Tage.
- In der fertigen, ausgereiften Seife ist keine freie Lauge mehr enthalten – dank eines chemischen Prozesses namens Verseifung.
- Schutzbrille, Handschuhe und gute Belüftung sind Pflicht, kein Nice-to-have.
- Seife sieden ist ein anspruchsvolles Hobby für aufmerksame Erwachsene – und nichts für Kinder.
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Woher kommt eigentlich die Angst vor dem Seife sieden?
Die Angst hat einen echten Kern: Wir rühren Natriumhydroxid (kurz NaOH) mit Wasser an, und daraus wird eine stark ätzende Lauge. Das ist kein Küchenkräutlein, das ist ein Gefahrstoff. So weit, so wahr.
Das Problem ist nur: Im Internet endet die Geschichte oft genau hier. „Lauge = ätzend = gefährlich = Finger weg.“ Punkt.
Was dabei unter den Tisch fällt: Es kommt nicht auf den Stoff an, sondern auf den Umgang mit ihm. Kochendes Wasser ist gefährlich. Ein scharfes Messer ist gefährlich. Trotzdem käme niemand auf die Idee, Dir das Kochen auszureden. Warum? Weil Du gelernt hast, damit umzugehen.
Und genau das lässt sich beim Seife sieden eben auch lernen.
Das Arbeiten mit Natronlauge
Ja, wir arbeiten beim Seife sieden mit Lauge und ja, der Umgang damit kann gefährlich sein. Aber nur, wenn man sich vorher nicht ausreichend über den korrekten Umgang informiert.
Was heißt das für Dich?
- Arbeite nie ohne Schutz. Das bedeutet: ziehe Handschuhe und Schutzbrille an und arbeite nicht kurzärmlig oder in kurzen Hosen.
- Achte auf eine ausreichende Belüftung und halte Deine Nase nicht direkt über die Laugendämpfe, die beim Anrühren der Lauge entstehen können.
- Rühre Deine Lauge dort an, wo Du gefahrlos arbeiten kannst. Ich empfehle dafür ein mit kaltem Wasser gefülltes Waschbecken. Sollte der Behälter mit der Lauge doch einmal umkippen, so wird die Lauge direkt verdünnt und kann Dir nicht über den Arbeitsbereich laufen. Außerdem kühlt das Wasser im Waschbecken die Lauge direkt, sodass wenige bis kaum Dämpfe entstehen.
- Verwahre das Natiumhydroxid sicher, so dass es unzugänglich für Kinder oder andere unerfahrene Personen lagert. (Und luftdicht, denn das NaOH reagiert sich sonst ab.)
- Laufe mit der angerührten Lauge nicht durch die Gegend, sondern rühre sie idealerweise direkt in unmittelbarer Nähe Deines Arbeitsplatzes an.
NaOH ist ein Gefahrstoff. Und man kann damit echt unschöne Verletzungen davon tragen. Aber das passiert nur, wenn Du aus Unwissenheit leichtsinnig damit umgehst. Oder eben auch, wenn Du aus Angst so großen Abstand hältst oder aber so übertrieben eingepackt bist, dass Du gar nicht mehr sauber arbeiten kannst oder vor lauter Hudeln das Gefäß mit der Lauge umwirfst. Bei sorgfältigem Umgang habe ich persönlich noch von keinem einzigen Unfall beim Seife sieden gehört.
Was tun, wenn doch mal Lauge auf die Haut kommt?
Keine Panik – auch dafür gibt es einen Plan (und genau deshalb brauchst Du keine Angst zu haben):
- Sofort mit viel klarem, fließendem Wasser abspülen – mehrere Minuten lang. Wasser verdünnt die Lauge und spült sie weg.
- Nicht mit Essig „neutralisieren“ – dieser alte Tipp geistert überall herum, ist aber überholt. Wasser ist Dein Freund, nicht der Essig.
- Bei Augenkontakt oder größeren Stellen: gründlich spülen und ärztlichen Rat einholen. Lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu spät.
Wenn Du das einmal weißt, verliert die Lauge einen Großteil ihres Schreckens. Wissen nimmt Angst – das ist der ganze Trick.

Und weil viele das immer wieder fragen: „Gefährlich“ ist es nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Seife zwei bis drei Tage in der Form gereift ist. Danach gilt bei korrekter Berechnung des Rezeptes und Arbeitsweise:
In der fertigen Seife ist keine freie Lauge mehr vorhanden
Seife entsteht durch einen chemischen Prozess namens Verseifung, bei dem Fette und Öle mit Lauge reagieren. Das Endergebnis ist eine völlig neue Substanz – Seife – und Glycerin. Die ursprünglich gefährlichen Eigenschaften der Lauge werden im Prozess vollständig neutralisiert. In der fertigen Seife wirst Du keine freie Lauge mehr vorfinden.
Mein Fazit
Seife Sieden ist alles andere als gefährlich. Es ist ein anspruchsvolles Hobby und nicht für Kinder geeignet. Aber es besteht kein Risiko einer schlimmen Verletzung durch die Lauge, wenn Du sauber arbeitest.
Kleiner Funfact zum Schluss: Jeder stinknormale Rohreiniger besteht fast ausschließlich aus NaOH. Und mir macht es ehrlich gesagt viel mehr Sorge, wenn Leute damit sorglos rumhantieren, als wenn meine Teilnehmer achtsam ihre Seife zusammenrühren!
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Seife sieden gefährlich für Anfänger?
Nein – gerade als Anfängerin profitierst Du davon, es von Anfang an richtig zu lernen. Mit Schutzbrille, Handschuhen, guter Belüftung und einem sauber berechneten Rezept ist das Risiko sehr gering. Gefährlich wird es vor allem durch Unwissenheit, nicht durch die Lauge an sich.
Ist selbstgemachte Seife gefährlich für die Haut?
Nein. In der fertigen, ausgereiften Seife ist durch die Verseifung keine freie Lauge mehr enthalten. Bei korrekter Überfettung bleibt sogar pflegendes Fett zurück – oft ist selbstgesiedete Seife hautfreundlicher als industrielle Waschstücke.
Kann man sich an selbstgemachter Seife verätzen?
Nur am frischen Seifenleim in den ersten 2–3 Tagen, solange die Verseifung noch nicht abgeschlossen ist – oder wenn Du Dein Rezept nicht richtig berechnet hast. Deshalb trägst Du beim Sieden Handschuhe und rechnest Deine Lauge sauber aus. Am einfachsten geht das mit meinem kostenlosen Seifenrechner. Die ausgereifte, korrekt berechnete Seife ist völlig unbedenklich.
Was mache ich, wenn Lauge auf meine Haut kommt?
Sofort mehrere Minuten mit viel klarem, fließendem Wasser abspülen. Kein Essig. Bei Augenkontakt oder größeren Stellen zusätzlich ärztlichen Rat einholen.
Kann ich mit meinen Kindern zusammen Seife sieden?
Beim eigentlichen Sieden mit Lauge: bitte nicht. Das ist ein Erwachsenen-Job. Kinder können später gerne beim Verzieren oder Einpacken der fertigen, ausgereiften Seife mithelfen.
Und jetzt bist Du dran: Hat Dich die Angst vor der Lauge bisher auch vom Sieden abgehalten? Oder hast Du schon Deine erste Seife gesiedet und kennst dieses „gar nicht so schlimm“-Gefühl danach? Schreib es mir gerne in die Kommentare. 🙂
Und wenn Du beim Rechnen auf Nummer sicher gehen willst: Mit meinem kostenlosen Seifenrechner berechnest Du Deine Lauge auf den Punkt – so bleibt garantiert keine freie Lauge übrig.
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Liebe Jessica, ich dachte auch, dass Seifen sieden gefährlich ist 😉 dein Artikel macht wirklich Lust darauf, es einmal auszuprobieren! Besonders der Vergleich mit dem Rohrreiniger gefällt mir.
Liebe Grüsse Nadja