Jessica Maas schneidet handgemachte Seife am Holzschneider – was ein Stück Seife wirklich kostet

„Ich kann doch keine 8 Euro für ein Stück Seife verlangen“ – oder etwa doch?

„Und? Verkaufst Du die auch?“

Ich glaube, es gibt keine Frage, bei der Siederinnen zuverlässiger still werden. Erst kommt ein geschmeicheltes Lächeln, dann ein Schulterzucken – und dann dieser eine Satz, den ich so oft höre, dass er mir schon wehtut:

„Ne, das lohnt sich nicht. Ich kann doch für ein Stück Seife keine 8 Euro verlangen.“

Manchmal sind es 6 Euro, manchmal 12. Die Zahl ist egal, der Satz ist immer derselbe. Und er kommt fast nie von Frauen, die schlecht sieden. Er kommt von denen, die richtig gut geworden sind – die mit den schönen Swirls, den durchdachten Rezepturen, den Freundinnen, die schon dreimal nachgefragt haben, ob es noch mal die mit dem Lavendel gibt.

Ich möchte Dir heute zeigen, warum dieser Satz nicht stimmt. Und vor allem: warum er gar nichts über den Preis aussagt, sondern über etwas ganz anderes. Weiter unten erzähle ich Dir außerdem, was mir eine Kundin geschrieben hat, nachdem sie zum ersten Mal alles durchgerechnet hatte – ein Satz, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. 🙂

Kurzantwort: Doch, das kannst Du. „Ich kann keine 8 Euro verlangen“ ist kein Marktwissen, sondern ein Gefühl – es entsteht, weil die meisten ihren Preis nicht berechnen, sondern beim Markt abschauen. Wer Material, Gemeinkosten und Arbeitszeit einmal sauber kalkuliert, stellt meistens fest: Der bisherige Preis war zu niedrig. Und bekommt obendrein Stellschrauben in die Hand, an denen sich überhaupt erst drehen lässt.

Woher kommt der Glaubenssatz „Dafür kann ich kein Geld verlangen“?

Ich sehe drei Wurzeln – und keine davon hat mit dem Wert Deiner Seife zu tun.

Die erste: Es hat mal Spaß gemacht. Und irgendwo haben wir gelernt, dass etwas, das Freude macht, keine Arbeit sein kann. Deine Seifen sind entstanden, während Du Musik gehört und Dich entspannt hast – wie soll man dafür Geld nehmen? Dabei ist genau das der Denkfehler: Bezahlt wird nicht Dein Leiden. Bezahlt wird das Ergebnis.

Die zweite: Du vergleichst mit dem falschen Regal. Im Drogeriemarkt liegt Seife für 89 Cent, und dagegen fühlen sich 8 Euro unverschämt an. Aber die Frau, die für 89 Cent kauft, war nie Deine Kundin. Deine Kundin ist die, die 6 Euro fürs Sauerteigbrot beim Bäcker zahlt, obwohl Toast im Regal daneben 89 Cent kostet. Sie kauft kein Reinigungsprodukt. Sie kauft, dass jemand es mit Verstand gemacht hat.

Und die dritte – die unbequemste: Du weißt nicht, was Dein Stück kostet. Was ich in der Praxis sehe, ist fast immer dasselbe: Die Rohstoffe werden grob überschlagen, und das war’s. Wenn überhaupt. Viel häufiger wird gar nicht gerechnet, sondern geschaut, was der Markt so nimmt – ein Blick auf Etsy, ein Blick auf den Stand nebenan, und danach richtet sich der eigene Preis.

Klingt vernünftig, ist aber ein Blindflug. Denn Du übernimmst damit die Kalkulation von jemandem, dessen Zahlen Du überhaupt nicht kennst. Vielleicht kauft die Kollegin ganz andere Mengen ein. Vielleicht rechnet sie ihre Arbeitszeit auch nicht mit. Vielleicht macht sie seit Jahren Verlust und weiß es nur nicht. Du kopierst dann nicht ihren Preis – Du kopierst ihren Fehler.

Und ganz ehrlich: Bei uns Frauen sitzt das nochmal ein Stück tiefer. Wir haben gelernt, uns nicht zu wichtig zu nehmen. Der Preis ist da nur das Ventil.

Warum ist dieser Glaubenssatz so hinderlich?

Weil er Dich nicht bescheiden macht, sondern langsam auslaugt. (Wortspiel unbeabsichtigt, aber ich lass es stehen. 😉)

  • Du zahlst drauf – ohne es zu merken. Wer nur die Öle rechnet, vergisst Duft, Form, Etikett, Verpackung, Strom, Standgebühr und die Stunden. Das fällt nicht auf, solange es zehn Stück sind. Bei hundert schon.
  • Es wird zäh statt schön. Wenn jedes verkaufte Stück Dich unterm Strich Geld kostet, wird aus Deinem Herzensding irgendwann eine Pflicht. Und dann hörst Du auf – nicht weil es nicht funktioniert hätte, sondern weil es sich falsch angefühlt hat.
  • Der zu niedrige Preis erzählt eine Geschichte. Und zwar nicht die, die Du willst. 1,50 Euro sagen: „Ist halt Bastelei.“ 8 Euro sagen: „Da hat jemand gerechnet, geprüft und reifen lassen.“ Menschen lesen Preise als Qualitätssignal, ob wir das gut finden oder nicht.
  • Und der Preis verändert, wie mit Deiner Seife umgegangen wird. Das ist die Beobachtung, die mich am meisten überzeugt hat: Ein Stück für 1,50 Euro landet irgendwo. Ein Stück für 8 Euro wird auf die Seifenschale gelegt, aufgehoben, hergezeigt – und weiterempfohlen. Dieselbe Seife, andere Wertschätzung. Der Preis erzieht die Kundin mit.
  • Du bleibst im Hobby stecken, obwohl Du weiter willst. Nicht wegen fehlender Nachfrage – sondern weil Du Dich nie getraut hast, den ersten Preis zu nennen.

Das ist übrigens kein Bauchgefühl von mir. Der Psychologe Robert Cialdini eröffnet sein Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ mit genau dieser Geschichte: Eine Schmuckhändlerin wurde ihren Türkisschmuck einfach nicht los. Vor einer Geschäftsreise hinterließ sie ihrer Verkäuferin die Notiz, den Preis zu halbieren – „× ½“. Die Verkäuferin las „× 2″ und verdoppelte ihn. Als die Chefin zurückkam, war alles verkauft.

Und es bleibt nicht bei der Kaufentscheidung – der Preis verändert tatsächlich das Erleben. Ein Forschungsteam um Hilke Plassmann hat Menschen im MRT Wein verkosten lassen und dabei zufällig unterschiedliche Preise eingeblendet. Es war immer derselbe Wein. Bei höherem Preis war das Belohnungssystem im Gehirn stärker aktiv – und der Wein schmeckte den Testpersonen wirklich besser (veröffentlicht 2017 in Scientific Reports, hier zusammengefasst von der Universität Bonn).

Übertragen auf Dich heißt das: Der Preis ist eben nicht nur eine Zahl auf einem Schildchen – er ist Positionierung. Er sagt, wofür Du stehst, wen Du ansprichst und wie Deine Arbeit behandelt wird. Und er wirkt über Deinen Stand hinaus: Jede Siederin, die ihre Arbeit praktisch verschenkt, verschiebt die Erwartung für die Nächste ein Stück nach unten. Ein fairer Preis ist deshalb auch ein Stück Kollegialität.

Zwei Frauen stempeln ein Stück handgemachte Seife – Handarbeit, die in die Kalkulation gehört
Jedes Stück wird einzeln gestempelt. Das sind die Minuten, die in keiner Materialliste stehen.

Die Wahrheit über den Preis Deiner Seife!

Der Preis ist keine Meinung. Er ist ein Rechenergebnis. Und in dem Moment, in dem Du ihn ausrechnest statt zu schätzen, verschwindet die Scham fast von allein – weil Du dann selbst weißt, warum die Zahl stimmt.

Wichtig dabei: Diese Rechnung machst Du für Dich. Nicht für Deine Kundin. Sie muss Deine Kalkulation nie zu sehen bekommen und auch keine Begründung hören. Die Sicherheit, die aus dem Rechnen entsteht, ist ein Innenverhältnis – nach außen brauchst Du nur noch die Zahl.

In einem Stück Seife stecken drei Dinge:

  1. Material. Nicht nur die Öle. Auch Lauge, Duft, Farbe, Form-Abnutzung, Etikett, Verpackung, Papier, Schleife. Der Duft ist übrigens fast immer der Posten, der die Kalkulation kippt – ätherische Öle sind teuer, und viele rechnen sie nur „ungefähr“ mit.
  2. Gemeinkosten. Strom, Wasser, Reinigung, Schutzausrüstung, Waage, Lagerplatz für vier bis sechs Wochen Reifezeit – und beim Verkaufen zusätzlich das, was rechtlich dazugehört: Sicherheitsbewertung, Dokumentation, Kennzeichnung. Das ist keine Schikane, das ist Kosmetikrecht. Und es kostet Geld, das im Preis stehen muss.
  3. Deine Zeit. Rezept rechnen, einkaufen, sieden, schneiden, wenden, verpacken, beschriften, Fotos machen, auf dem Markt stehen. Setz einen Stundensatz an. Irgendeinen. Nur nicht null.

Rechne das einmal für Deine letzte Charge zusammen und teile es durch die Anzahl der Stücke. Ich kann Dir nicht sagen, was am Ende bei Dir herauskommt – das hängt von Deinen Ölen, Deinen Mengen und Deinem Stundensatz ab. Aber ich kann Dir sagen, was passiert, wenn Frauen das zum ersten Mal wirklich machen.

Eine Kundin hat alle ihre Zahlen in meine Software eingegeben – Rohstoffe, Mengen, Chargen, das komplette Programm. Danach schrieb sie mir:

„Oh. Ich hab dann mal meine Preise verdoppelt.“

Verdoppelt. Nicht ein bisschen angehoben, nicht vorsichtig um 50 Cent korrigiert. Verdoppelt – und zwar in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal schwarz auf weiß gesehen hat, was ihre Arbeit tatsächlich kostet. Sie hatte sich nicht verschätzt. Sie hatte nie gerechnet.

(Und ja, mir ist auch aufgefallen, dass sie damit unabsichtlich die Türkis-Geschichte von oben nachgestellt hat. Nur eben nicht aus Versehen, sondern mit Zahlen. 😉)

Denn die Frage war nie, ob Du 8 Euro verlangen kannst. Die Frage ist, ob 8 Euro überhaupt reichen.

Und dann kommt noch etwas obendrauf, das in keiner Materialliste steht: Deine Kundin kauft nicht 100 Gramm verseiftes Fett. Sie kauft, dass jemand weiß, warum genau diese Öle in genau diesem Verhältnis drin sind. Dass da nicht geraten wurde. Dass die Seife durchgerechnet, sauber gesiedet und ausgereift ist. Dieses Wissen hat Dich Jahre gekostet – es darf im Preis stehen.

Wenn Du dabei Unterstützung willst: In meiner Software Manufaktur im Blick ist genau diese Kalkulation eingebaut – vom Rohstoff bis zum Stückpreis, auf den Cent. (Warum ich sie gebaut habe, erzähle ich hier.)

Handgemachte Seife mit Katzenmotiv in einem Korb mit Sommerblüten
Aufwendige Einzelstücke oder schlichte Menge – das ist eine Entscheidung, keine Frage des Zufalls.

Was Dir die Rechnung außer dem Preis noch bringt

Und jetzt kommt der Teil, den ich fast noch wichtiger finde als den Preis selbst – und über den kaum jemand spricht.

An Deinen Kosten kannst Du erst drehen, wenn Du weißt, was wie viel kostet. Solange Du nur ein diffuses „ist halt teuer“ im Kopf hast, bleibt Dir nur eine einzige Stellschraube: mehr verlangen. Sobald Du Deine Zahlen aufgeschlüsselt vor Dir hast, hast Du plötzlich vier oder fünf.

  • Die Rohstoffe reißen es raus? Dann kannst Du Dir Dein Rezept langfristig noch mal ansehen. Nicht billiger im Sinne von schlechter – sondern klüger. Welches Öl trägt hier wirklich zur Wirkung bei, und welches ist einfach nur teuer? Das kannst Du allerdings nur beurteilen, wenn Du verstehst, was jedes Fett in Deiner Seife tut. (Hier trifft sich das Kaufmännische mit dem Handwerk – und deshalb ist Verstehen statt Nachsieden eben nicht nur eine Lernphilosophie, sondern bares Geld.)
  • Der Stundensatz frisst alles? Dann schau Dir Deine Abläufe an. Wo arbeitest Du eigentlich gegen Dich selbst? Oft steckt die Zeit gar nicht im Sieden, sondern im Drumherum: suchen, umfüllen, beschriften, Etiketten einzeln zuschneiden.
  • Lohnen sich größere Chargen? Der doppelte Ansatz dauert selten doppelt so lang – aufheizen, aufräumen und abwaschen fallen nur einmal an. Pro Stück wird es dadurch spürbar günstiger. Erst wenn Du rechnest, siehst Du, ab welcher Größe sich das wirklich lohnt.
  • Kannst Du Dir den nächsten Schritt leisten? Ein eigener Raum, eine Standgebühr, eine bessere Ausstattung – das sind keine Bauchentscheidungen. Wenn Du weißt, was ein Stück kostet und was es einbringt, weißt Du auch, wie viele Stücke Du dafür verkaufen musst. Und ob das realistisch ist.

Merkst Du, was da passiert? Aus „Was darf ich verlangen?“ ist „Wie will ich arbeiten?“ geworden.

Und genau da liegt die eigentliche Entscheidung – und die triffst Du am besten bevor Du das erste Stück verkaufst. Grob gibt es zwei Richtungen:

Individuell. Aufwendige Designs, kleine Serien, besondere Rohstoffe, Deine Handschrift in jedem Stück. Die Kosten pro Stück sind hoch, die Stückzahl bleibt überschaubar – und der Preis muss das abbilden. Deine Kundin kauft ein Einzelstück.

Oder Menge. Wiederverkauf, Hotels, Läden, größere Abnehmer. Weniger Zeit in Gestaltung, dafür mehr Stücke pro Ansatz, schlankere Abläufe, einfachere Formen. Pro Stück verdienst Du weniger, in Summe kann trotzdem mehr übrig bleiben.

Beides ist völlig in Ordnung. Was nicht funktioniert, ist beides gleichzeitig – oder in die eine Richtung zu arbeiten und die Preise der anderen zu nehmen. Genau das passiert aber ständig: aufwendig gestaltete Einzelstücke zu Massenpreisen. Das ist kein Schicksal, das ist eine Entscheidung. Aber Du kannst sie nur treffen, wenn Du Deine Zahlen kennst.

Und weil das gerne übersehen wird: Billiger heißt nicht automatisch mehr Gewinn. Stell Dir Deinen Gewinn als Berg vor. Ganz links, bei einem sehr hohen Preis, kaufen nur wenige – der Berg ist flach. Senkst Du den Preis, kaufen mehr Leute, und es geht bergauf. Aber irgendwann kommt der Gipfel. Machst Du weiter billiger, verkaufst Du zwar noch mehr Stücke, aber jedes einzelne trägt so wenig bei, dass es wieder bergab geht. Du siedest mehr, kaufst mehr ein, stehst länger in der Küche – und behältst unterm Strich weniger.

Dieser Gipfel hat sogar einen Namen: In der Betriebswirtschaft heißt er Cournotscher Punkt – die Kombination aus Preis und Menge, bei der der Gewinn am größten ist. Das Modell stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist im deutschsprachigen Raum bis heute BWL-Grundwissen. Du musst es nicht ausrechnen können. Du musst nur wissen, dass es diesen Gipfel gibt – und dass „ich mach’s billiger, dann verkauf ich mehr“ eben nur bis dorthin funktioniert.

Wo Dein Gipfel liegt, verrät Dir niemand von außen. Den siehst Du nur mit Deinen eigenen Zahlen.

Das ist der Moment, in dem aus einem Hobby mit Verkauf ein Unternehmen wird – ganz egal, ob Du das je so nennen willst.

Wie ich meinen eigenen Preis-Mindfuck losgeworden bin

Ich kann Dir das nicht von außen erzählen. Ich kenne den Satz von innen.

Mein Online-Business ist während Corona entstanden – und ehrlich gesagt nicht aus einem großen Businessplan heraus, sondern als Experiment. Ich wollte einfach mal sehen, wie das so funktioniert. Die Forscherin in mir, schon wieder. 😅 Und der schwierigste Moment war nicht die Technik und nicht das Konzept. Es war der Moment, in dem ich eine Zahl hinschreiben musste.

Da saß dann derselbe Satz in meinem Kopf wie bei Dir: Das kann ich doch nicht verlangen. Das mach ich doch gern. Dass mein Vater mein Business damals „Pseudo-Business“ nannte, hat auch nicht gerade geholfen.

Was mir geholfen hat, war ziemlich unromantisch: rechnen. Nicht „fühlt sich das fair an?“, sondern „was steckt da drin?“. Und was ich damals unterschätzt hatte, war nicht das Material – es war die Zeit. Die Stunden, die vor dem Ergebnis liegen und die niemand sieht.

Der zweite Teil war noch unbequemer: Ich musste akzeptieren, dass mein Wissen etwas wert ist. Nicht mein Doktortitel, den kauft keiner. Sondern die Jahre, in denen ich mir mühsam zusammengepuzzelt habe, warum Seife funktioniert – damit heute jemand anderes den Umweg nicht mehr laufen muss. Genau dafür zahlen Menschen.

Das Experiment ist übrigens gut ausgegangen: Aus dem „ich guck mal“ ist mein Haupteinkommen geworden. Aber nicht, weil ich mutiger geworden wäre. Sondern weil ich irgendwann aufgehört habe, meinen Preis zu fühlen, und angefangen habe, ihn zu kennen.

Du willst auch einen Preis nennen können, ohne rot zu werden? So fängst Du an!

  1. Rechne Deine letzte Charge durch. Alles rein, was reingehört – auch das Etikett und die 40 Minuten Verpacken. Teile durch die Stückzahl. Das ist Dein Selbstkostenpreis, noch kein Verkaufspreis.
  2. Setz einen Stundensatz an, bevor Du weiterdenkst. Nicht den, den Du „wert bist“ – den, den Du für die gleiche Zeit anderswo bekämst. Diese eine Zahl verändert alles.
  3. Erst jetzt schau, was andere nehmen – und zwar nur als Gegenprobe. Nicht der Drogeriemarkt, sondern handgesiedete Naturseife von Leuten, die davon leben. Wichtig ist die Reihenfolge: erst rechnen, dann vergleichen. Wer andersherum vorgeht, übernimmt fremde Zahlen, ohne zu wissen, ob die überhaupt aufgehen.
  4. Üb den Satz laut. „Das Stück kostet 8 Euro.“ Punkt. Kein „nur“, kein „aber da ist ja auch viel Arbeit drin“, keine Erklärung hinterher. Das klingt albern – und es funktioniert.
  5. Nenn den Preis beim nächsten Mal einfach. Bei der nächsten „Verkaufst Du die auch?“-Frage. Einmal. Dann weißt Du, dass niemand lacht.

Und zu Schritt 4 noch ein Wort, weil das der Punkt ist, an dem die meisten kippen: Wenn doch mal jemand nachfragt – geh nicht ins Erklären.

Der Reflex ist verständlich. Da kommt ein hochgezogenes Augenbrauenpaar, und schon sprudelt es los: „Ja, aber da sind hochwertige Bio-Öle drin, und die muss vier Wochen reifen, und ich mach das ja alles selbst…“ Das fühlt sich an, als würdest Du Deinen Preis untermauern. Für Dein Gegenüber klingt es anders. Wer sich rechtfertigt, bestätigt damit, dass die Rückfrage berechtigt war. Du gibst dem Zweifel recht, obwohl Du ihn ausräumen wolltest.

Ein freundliches „Ja, das ist Handarbeit“ reicht völlig. Oder ein Lächeln und gar nichts. Deine Kalkulation ist ein Innenverhältnis – sie gehört Dir, nicht Deiner Kundin. Nach außen brauchst Du nur die Zahl, und die darf ruhig für sich stehen.

Und wenn Du beim Rechnen merkst, dass Du bei Deiner eigenen Rezeptur ins Grübeln kommst: Genau da fängt Verstehen statt Nachsieden an. Wer weiß, warum ein Rezept funktioniert, kann es auch kalkulieren.

Die Rechnung sagt Dir, wo Dein Preis anfängt – nicht, wo er aufhört

Jetzt muss ich meinen eigenen Satz von weiter oben einschränken. Deine Kalkulation ist keine Preisformel. Sie ist eine Grenze – und zwar die untere.

Alles, was Du ausgerechnet hast, sagt Dir genau eins: Darunter darfst Du nicht gehen, sonst zahlst Du drauf. Was oberhalb passiert, entscheidest Du.

Denn was ein Stück Seife wert ist, bestimmt nicht Deine Materialliste, sondern die Frau, die es kauft. Und für die ist es eben kein verseiftes Fett. Es ist ein Geschenk, das es nirgends sonst gibt. Ein Stück, bei dem sie weiß, was drin ist. Etwas, das jemand mit Verstand für sie gemacht hat.

Der Abstand zwischen Deinen Kosten und dem, was es ihr wert ist, ist Dein Spielraum. Wie weit Du da hineingehst, hängt davon ab, wofür Du stehen willst – genau die Entscheidung aus dem Kapitel davor. Rechnen musst Du trotzdem. Sonst weißt Du nicht mal, wo Dein Spielraum überhaupt beginnt.

Dein Preis ist kein Gefühl – aber auch keine reine Rechnung

Der Satz „Ich kann doch keine 8 Euro verlangen“ fühlt sich an wie Bescheidenheit. Aber er ist meistens nur fehlende Information. Und Information kann man sich holen – ganz ohne Persönlichkeitsentwicklung, einfach mit einem Zettel und einer halben Stunde. Danach weißt Du, wo Deine Grenze liegt. Und darüber fängt Deine Entscheidung an.

Die Kundin von vorhin hat für ihre Preisverdopplung übrigens kein Mindset-Seminar gebraucht. Sie hat einfach ihre Zahlen gesehen.

Wenn Du diesen Schritt nicht mit Zettel und Taschenrechner machen willst, sondern mit einem Werkzeug, das Rohstoffe, Chargen und Stückpreise für Dich mitführt – dafür habe ich Manufaktur im Blick gebaut. Kalkulation auf den Cent, Rezepturen, Chargen und Rückverfolgbarkeit, Etiketten und Reifezeiten an einem Ort.

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Und jetzt verrate mir mal ehrlich: Was nimmst Du gerade für ein Stück – und hast Du je ausgerechnet, was es Dich kostet? Schreib es mir in die Kommentare. Ich verspreche Dir, Du bist nicht die Einzige, die bei dieser Frage kurz schlucken muss. 🙂

Häufige Fragen zum Preis für selbstgemachte Seife

Was kostet ein Stück selbstgemachte Seife in der Herstellung?

Das hängt von Deinen Ölen, Deiner Chargengröße und Deinem Stundensatz ab – eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. In die Rechnung gehören drei Blöcke: Material (Öle, Lauge, Duft, Farbe, Form, Etikett, Verpackung), Gemeinkosten (Strom, Reinigung, Schutzausrüstung, Lagerplatz für die Reifezeit, beim Verkauf zusätzlich Sicherheitsbewertung und Kennzeichnung) und Deine Arbeitszeit. Wer nur die Öle rechnet, liegt fast immer deutlich zu niedrig.

Wie berechne ich den Verkaufspreis für meine Seife?

Rechne zuerst Deine letzte Charge komplett durch und teile die Summe durch die Anzahl der Stücke – das ist Dein Selbstkostenpreis, noch kein Verkaufspreis. Setz dabei einen realistischen Stundensatz an, nicht null. Erst danach schaust Du zum Vergleich, was andere Manufakturen nehmen. Die Reihenfolge ist entscheidend: erst rechnen, dann vergleichen. Wer andersherum vorgeht, übernimmt fremde Zahlen, ohne zu wissen, ob die überhaupt aufgehen.

Warum ist handgemachte Seife teurer als Seife aus dem Drogeriemarkt?

Weil es zwei völlig verschiedene Produkte sind. Industrieseife wird in riesigen Mengen produziert, oft ohne das Glycerin, das beim Sieden entsteht. Handgemachte Seife enthält ausgesuchte Öle, wird einzeln gerechnet, gegossen, geschnitten und reift vier bis sechs Wochen. Und sie ist Handarbeit. Wer für 89 Cent kauft, war ohnehin nie Deine Kundin.

Was ist beim Verkauf von selbstgemachter Seife rechtlich zu beachten?

Seife gilt rechtlich als Kosmetik. Damit brauchst Du unter anderem eine Sicherheitsbewertung, eine saubere Dokumentation Deiner Chargen und eine korrekte Kennzeichnung. Das ist kein Hexenwerk, kostet aber Zeit und Geld – und genau deshalb gehören diese Posten in Deine Kalkulation und damit in Deinen Preis.

Muss ich meinen Preis erklären, wenn jemand nachfragt?

Nein – und Du solltest es auch nicht. Wer sich rechtfertigt, bestätigt damit, dass die Rückfrage berechtigt war. Ein freundliches „Ja, das ist Handarbeit“ reicht völlig. Die Kalkulation machst Du für Dich selbst, damit Du weißt, warum die Zahl stimmt. Deine Kundin muss sie nie zu sehen bekommen.

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