Ich bin eine Chaosqueen – und verkaufe eine Software für Ordnung in der Seifenküche

Ich habe ein Geständnis: Ich bekomme mein eigenes Seifen-Chaos bis heute nicht in den Griff. Verlegte Rezeptzettel, Ölflaschen mit dazu gehörigem Duft und Mica, die nur als nicht mehr auffindbares Handyfoto existieren, obwohl sie in die Chargenprotokolle müssten, die ich wochenlang vor mir herschiebe. Von passenden Banderolen gar nicht erst zu sprechen. Und ausgerechnet ich habe in den letzten Wochen eine Software gebaut, die Siederinnen Ordnung in ihre Manufaktur bringt. 🤣 Klingt nach Widerspruch? Ist es auf den ersten Blick – aber wahrscheinlich auf den zweiten genau der Grund, warum das Ding überhaupt etwas taugt.

Ich bin von Natur aus chaotisch – bei jeder neuen Seife schreibe ich einen Zettel, auf dem ich mir die passenden Mengen Öl, Fett, Lauge und Zusätze aufschreibe – nur, um ihn beim nächsten Mal zu suchen und im Zweifel neu zu schreiben. Seifen an Freunde werden monatelang nicht verschickt – weil ich keine Banderolen habe, weil ich dafür erst mal wieder die genutzten Rohstoffe kennen müsste (Feine Öle, schöne Farbe und leckerer Duft ist halt eine schlechte Ingredients-Deklaration 🤣) . Und ausgerechnet ich habe jetzt mit Manufaktur im Blick eine Software entwickelt, die Siederinnen Ordnung bringen soll. Ja, du darfst grinsen. Der Clou ist aber: Gerade weil ich das Chaos selbst so gut kenne, weiß ich ziemlich genau, was so ein Tool im echten Seifen-Alltag wirklich können muss – und was nur schön aussieht, aber nix bringt.

Meine Herausforderung: Ordnung

Wenn es eine Sache gibt, die ich wirklich nicht kann, dann ist es Ordnung halten. Kreativ sein? Kein Problem. Drölfzig neue Ideen gleichzeitig anfangen? Mein zweiter Vorname. Aber Sachen sauber zu Ende bringen und ordentlich ablegen? Keine Chance. Frag meine Familie. Sie werden nur wissend die Augen verdrehen.

Im Seifen-Alltag sieht das dann so aus: Ich plane voller Vorfreude eine neue Seife, gehe zum Regal – und stelle fest, dass das Mandelöl längst alle ist. Ich fotografiere meine Ölflaschen ab, damit ich später die Chargennummern habe, und finde das Foto Wochen danach nicht wieder. Ich schreibe ein Rezept auf einen Zettel, der dann irgendwo zwischen Einkaufsliste und Notizen verschwindet. Und mein Chargenprotokoll? Das fülle ich im schlimmsten Fall erst aus, wenn die Seife schon längst reift und ich am nächsten Tag das erste Stück davon verkaufen will. Spät Abends. Spääääät Abends. If you know you know.

Das ist nicht nur unpraktisch und verdammt peinlich, das ist für mich ein echtes Problem. Aber nicht nur für mich. Spätestens wenn du verkaufen willst, brauchst du nachvollziehbare Chargen, saubere Rezepturen und eine Dokumentation, die einer Prüfung standhält. Und ich, die das alles unterrichtet, bin da nicht besser, obwohl ich es besser weiß. Wir Seifensiederinnern sind meistens eines: verdammt kreativ! Und genau diese Kreativität, das, was uns ausmacht, steht uns auf der anderen Seite oft im Weg.

Nicht nur in der Seifenküche – auch meine Aufzeichnungen sind bisher solch ein Chaos gewesen.

Warum ich so lange nicht darüber gesprochen habe

Weil es sich angefühlt hat wie ein Schandmal, das man als „Expertin“ lieber nicht zeigt. Da stehe ich vorne, erkläre Anfängerinnen, wie wichtig sauberes Dokumentieren ist, wie sie ihre Rezepte festhalten und ihre Chargen im Griff behalten – und hinter den Kulissen kriege ich mein eigenes System nicht hin. Dieser leise Gedanke: „Wer bist du eigentlich, dass du anderen Ordnung beibringst?“

Lange habe ich gedacht, ich müsste das erst selbst perfekt können, bevor ich darüber rede. Also habe ich es einfach nicht gezeigt. Die Fläche, die in den Videos zu sehen ist? Krieg ich hin. Drum herum: der reinste Saustall. Dabei kennen das so viele von euch genau so: Du liebst das kreative Sieden, aber der ganze Verwaltungskram drumherum ist dir ein Graus. Du bist nicht weniger fähig deswegen. Du bist nur ein anderer Typ Mensch – und das Drumherum war bisher einfach nicht für dich gemacht. Vor allem was die Dokumentation angeht.

Der Wendepunkt: Ich bau mir meine eigene Lösung – und helfe so meinen Kunden gleich mit

Im April hatte ich die Schnauze voll. Ich habe jahrelang nach einem Tool gesucht, das mir dieses Chaos abnimmt – und nie eins gefunden, das wirklich zu meinem Seifen-Alltag passt. Statt mich also weiter dafür zu schämen, dass ich keine Listen-Liebhaberin bin, habe ich beschlossen: Dann baue ich mir das Ding eben selbst. So ist Manufaktur im Blick entstanden – meine Software, die Rezepte, Chargen, Bestände und Dokumentation für Siederinnen und Seifenmanufakturen an einem Ort zusammenhält.

Der Workflow? Sobald etwas an Rohstoffen neu meine Seifenküche betritt, mache ich einfach ein Photo. Das wars. KI liest das Photo aus und legt mir Handelsnamen, Chargennummer, Haltbarkeitsdatum etc. automatisch an. Was nicht erkannt wird trage ich von Hand nach. Alternativ lese ich meinen Lieferschein ein. Ab sofort wird bei jedem Rezept und jeder Charge genau aus meinem Vorrat gezogen. Die Mengen automatisch angepasst. So habe ich sofort den aktuellen Überblick. Wie viel ist wovon noch da? Was ist wo drin. Und mit einem Klick generiert sich sogar das passende Label. Ja, ist vielleicht nicht eines aus einem superduper-Designstudio. Aber ich habe eines! Und mit der passenden Deklaration drauf obendrauf. Sobald ich eine Charge siede wird ein Protokoll erstellt. Wieder mit allen Infos der genutzten Rohstoffe automatisch ergänzt. Ehrlich, was mir das an Zeit und Nerven spart: unbezahlbar!

Im Grunde genommen ist es doch so: Dass ich selbst so chaotisch bin, ist nicht der peinliche Teil der Geschichte – es ist der Grund, warum die Software so gut ist. Eine ordentliche Person hätte ein Tool gebaut, das für ordentliche Personen funktioniert. Ich habe es für uns gebaut: für die, die mitten im Sieden nicht erst drei Felder ausfüllen wollen, die schnell ein Foto hinterlegen, die Erinnerungen brauchen, wenn eine Stabilitätsprüfung fällig ist oder eine Charge fertig gereift, und denen kein Schritt verloren gehen darf, auch wenn zwischendurch ein Kind ruft. Bei jedem Schritt auf dem Weg zum verkauften Produkt habe ich mich gefragt: kann ich das automatisieren? Kann ich das einfacher machen? Und in den meisten Fällen lautete die Antwort: Ja.

Egal an welchem Gerät, selbst am Handy um auf dem markt Verkäufe zu tracken, Ab sofort habe ich meine Manufaktur immer im Blick.

Was sich verändert hat – und was du daraus mitnehmen kannst

Die wichtigste Erkenntnis: Ich muss nicht zur ordentlichen Person werden, um stolz sein zu dürfen. Ich darf Chaosqueen bleiben. Und trotzdem entspannt dem nächsten Besuch vom Amt entgegenblicken. Und ich hätte vielleicht nie so viele Tage und Nächte an dieser Software gehangen, wenn mein Chaos mich nicht selber so belastet hätte. Ich WOLLTE diese Lösung so sehr!

Was ich dir an Erkenntnis mitgeben möchte?

  • Deine Schwäche kann deine größte Stärke sein. Genau das, womit du am meisten kämpfst, kennst du am besten – und kannst es für andere lösen. Wenn du den Schmerz nicht selber kennen würdest, woher würdest du dann die Motivation nehmen bei Rückschlägen? Ich für mich kann sagen: Gerade WEIL ich das Gefühl selber kenne, liegt mir so viel daran, es für meine Kunden leichter zu machen.
  • Denk in Lösungen, nicht in Problemen. Ich hätte einfach jammern können, dass es keine tolle Software gibt. Über die Bürokratie klagen, die es uns ach so schwer macht. 1000 Gründe suchen, warum ich nichts daran ändern kann. Oder mich hinsetzen und ausprobieren, was geht. Ich hab mich für zweiteres entschieden, und bin vom Ergebnis immer noch geflasht.
  • Du musst dich nicht unbedingt ändern, sondern dir manchmal einfach das passende Umfeld suchen. Wir streben so oft irgendwelche tollen Ziele an. Wäre ich gern ordentlicher? Na klar! Aber das heißt nicht, dass ich nicht auch jetzt schon ein toller Mensch bin. Oder dass ich mir nicht auch einfach eine Lösung suchen darf, die meine „Macke“ auffängt, anstatt verzweifelt zu versuchen, mich zu ändern.

Warum erzähl ich dir das eigentlich alles?

Hätte ich einfach weiter meine eigenen Herausforderungen verheimlichen können? Ja klar, easy! Aber hätte ich weiter so getan, als hätte ich alles im Griff, würdest du wahrscheinlich nicht verstehen, wie viel Herzblut in diese Software geflossen ist. Ja, es ist mir furchtbar unangenehm, mich so angreifbar zu machen. Aber ehrlich ist mir lieber als perfekt. Und vielleicht hilft Dir ja genau diese Ehrlichkeit weiter.

Du kennst dieses Chaos auch?

Wenn du dich beim Lesen ertappt gefühlt hast, schau dir Manufaktur im Blick an. Die Software hält Rezepte, Chargen, Bestände und Dokumentation deiner Seifenmanufaktur an einem Ort zusammen – auch wenn du, so wie ich, kein Ordnungstalent bist.

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