Als ich Ende Juni gefragt habe, welcher Duft für Dich nach Sommer riecht, war ich ehrlich gesagt ziemlich neugierig, was dabei herauskommen würde. Ein Duft ist ja das Flüchtigste, was es gibt. Man kann ihn nicht zeigen, nicht anfassen, oft nicht mal richtig beschreiben – und trotzdem habe ich dich eingeladen, darüber einen ganzen Blogartikel zu schreiben.
Sechs Frauen aus ganz unterschiedlichen Ecken – vom Reiseblog über die Aquarellmalerei bis zum Lerncoaching – haben mir ihren ganz persönlichen Sommerduft geschrieben. Und ich saß hier und habe das ein oder andere mal beim Lesen gedacht: oh wow, ich riech`s durch die Zeilen!
Was mich ein wenig überrascht hat: Kein einziger Beitrag drehte sich um ein Parfum. Nicht einer. Dazu weiter unten mehr – hier erst mal alle Beiträge auf einen Blick.
Diese Blogartikel sind bei meiner Blogparade entstanden
- Inga: Schmalblättrige Ölweide: Ihr Duft riecht für mich nach Sommer
- Dr. Hanna Steffen: Ein Atemzug Sommer: der süße Duft der Linde
- Doro Benker: So riecht der Sommer
- Franziska: Mein liebster Sommerduft: sonnenwarmer harziger Kiefernwald
- Anita: Meine Sommerdüfte: Sommerregen, Lavendel & Rosen
- Elisabeth Morri: Magie der Sommer-Aromen: Blühender Jasmin, Meeresbrise & feine Essenzen
- Und mein eigener: Petrichor – der Duft, der für mich nach Sommer riecht
1. Inga: Schmalblättrige Ölweide – ein Mallorca-Duft in der Likörflasche
Inga von der Wildkrautbraut hat den Anfang gemacht – und gleich mit einer Geschichte, die ich beim Lesen sofort wiedererkannt habe. Mallorca 2018: ein honigsüßer Duft, der sie den ganzen Urlaub begleitet und danach nicht mehr loslässt. Zu Hause sucht sie ihn in Parfums, in Kosmetik, in ätherischen Ölen – und findet ihn nicht.
„Kennst du das auch? Du kommst an einen Urlaubsort und dort begleitet dich während des gesamten Aufenthalts ein Duft in der Luft, der dich nicht mehr loslässt.“
Bis sie zufällig auf silbrige Blätter stößt – und der Duft sie trifft „wie ein Schlag“. Es ist die Schmalblättrige Ölweide, eine Pflanze, die fast überall wächst und die kaum jemand auf dem Schirm hat. Inga liefert einen kompletten Steckbrief dazu und macht dann das, was ich zutiefst nachvollziehen kann: Sie fängt sich ihr Mallorca-Gefühl in einer Likörflasche ein. Ich selber war erst letztes Jahr im Frühling mit meiner Familie auf Mallorca und konnte ihn selber auch wieder in Gedanken riechen, diesen Duft. Danke, dass ich automatisch beim Lesen in Urlaubserinnerungen, vor allem einer Wanderung in der Ecke Calvià, schwelgen konnte.
2. Dr. Hanna Steffen: Ein Atemzug Sommer – der süße Duft der Linde
Hanna nimmt uns mit in einen Hochsommertag, an dem die Hitze körperlich schwer auf allem liegt – und mittendrin blüht die Linde. Ihr Beitrag führt von den alten Tanzlinden über die Mythologie bis zu Wolf-Dieter Storls Beschreibung des Lindenduftes als jenem Moment, in dem das Seelische über die Sinne erfahrbar wird.
„Es ist einer jener Momente, in denen ein einziger Atemzug genügt, um etwas im Innersten zu berühren.“
Weil Hanna mit hochsensiblen und neurodivergenten Menschen arbeitet, kommt bei ihr noch eine Ebene dazu, die mich berührt hat: Was bedeutet so ein Duft für Menschen, die besonders fein wahrnehmen? Ihre Antwort darauf finde ich wunderschön – der Lindenduft dränge sich nicht auf, er lade ein. Man müsse manchmal innehalten, um ihn wirklich wahrzunehmen. Etwas, das uns allen im Alltag viel öfter gut tun würde, als wir es und erlauben. Innehalten und den Moment genießen. Mit allen Sinnen aufnehmen. Danke für diesen Anstupser.
3. Doro Benker: So riecht der Sommer – nach Freibadpommes und Lagerfeuer
Doro hat sich geweigert, sich auf einen Duft festzulegen – und das mit voller Absicht. Ihr Sommer ist eine Mischung: Freibadpommes, Lagerfeuer, Kindheitserinnerungen. Der erste Morgen im Jahr, an dem man merkt: Es geht wieder barfuß, die Jacke bleibt hängen. Genau solche Freudenmomente kenne ich auch: morgens nach dem (frühen) Aufstehen, so wie man ist, mit der ersten Tasse Kaffe raus auf die Terasse und die milde Luft, das Gezwitscher der Vögel und den Geruch des Morgens genießen.
„Der Sommer ist für mich keine Jahreszeit, die nur im Kalender steht. Der Sommer ist ein Gefühl.“
Dass ausgerechnet ein Lerncoach für Eltern von Schulkindern über Freibadpommes schreibt, hat mich zum Schmunzeln gebracht – und ist zugleich ein schönes Beispiel dafür, dass so eine Blogparade auch Themen zulässt, die sonst nie auf dem eigenen Blog landen würden.
4. Franziska: Sonnenwarmer, harziger Kiefernwald – vom Motorrad aus
Franziska von Enjoy-Aquarell hat den für mich überraschendsten Zugang gewählt: Sie riecht ihren Sommerduft im Fahrtwind. Sie cruist mit dem Motorrad über eine kleine Landstraße, vorbei an Wiesen, Feldern und roten Backsteinhäusern – und dann kommt der Kiefernwald.
„Dieser würzige, harzige, ätherische Duft aus dem Kiefernwald, der mit zunehmender sommerlicher Hitze besonders intensiv wird.“
Der Duft steigt ihr unten durch den Helm in die Nase. Allein dieses Bild – Helm, Fahrtwind, Harz – hätte ich mir selbst nie ausgedacht. Aber er hat mich direkt wieder an einen der gemeinsamen Motorrad-Urlaube mit meinem Mann am Gardasee katapultiert. Das Gefühl hinten auf dem Sozius, das Grinsen im Gesicht und die heimliche Freude, dass ich selber nicht fahren muss sondern alles entspannt mit den Augen, Ohren und der Nase aufnehmen darf.
5. Anita: Sommerregen, Lavendel und Rosen – und ein Duft, der gar nicht geht
Anita vom Reiseblog Reisen himmelblau schreibt gleich zu Beginn, dass sie eigentlich gar kein Sommerkind ist – und macht trotzdem mit. Sie sortiert ihre Düfte in drei Kategorien: Sommerregen als Lieblingsduft, Lavendel als Klassiker, Rosen als Duft ihrer Kindheit.
Am meisten gefreut hat mich aber ihr vierter Abschnitt, den außer ihr niemand hatte: „Der übelste Duft des Sommers: frische Tomaten.“ Ich hatte diese Frage tatsächlich in meine Leitfragen geschrieben – und Anita ist die Einzige, die sie beantwortet hat. Sehr mutig, bei einer Blogparade voller Schwärmerei den Anti-Duft aufzumachen.
6. Elisabeth Morri: Jasmin, Meeresbrise und feine Essenzen
Elisabeth – bei ihren Leserinnen als Klio bekannt – hat es punktgenau am letzten Tag geschafft und die Parade damit schön abgerundet. Ihr Sommerduft ist eine Komposition: der blühende Jasmin an ihrer Terrassenwand, die salzige Meeresbrise, feines Räucherwerk an lauen Abenden und ätherische Öle.
Sie schreibt sonst über Astrologie, Tarot und Selbsterkenntnis – und entsprechend geht es bei ihr nicht nur darum, was gut riecht, sondern was ein Duft mit der eigenen Stimmung macht. Beim Lesen ist mir dabei etwas aufgefallen: Elisabeth ist die Einzige, die ihre Düfte bewusst aussucht. Bei allen anderen – mich eingeschlossen – begegnet der Duft einem einfach: auf Mallorca, unter dem Lindenbaum, im Fahrtwind, nach dem Regen. Sie dagegen stellt ihn zusammen. Genau dafür macht man Blogparaden. Um selber neue Perspektiven zu entdecken. Danke dafür!

Was mir beim Lesen aufgefallen ist
Sieben Beiträge sind keine repräsentative Studie. Aber ein paar Dinge sind mir so deutlich entgegengesprungen, dass ich sie hier festhalten möchte.
Niemand hat ein Parfum genannt. Nicht eine. Ich hatte in meinen Leitfragen ausdrücklich gefragt, ob es ein Naturduft ist oder eher etwas aus der Flasche – und die Antwort war einstimmig: Natur. Ölweide, Linde, Kiefernharz, Regen, Jasmin, Lagerfeuer. Das Einzige, was in Flaschen landete, war Ingas selbst angesetzter Likör.
Sommerregen kam auffällig oft vor. Er ist mein eigener Duft, er ist Anitas Lieblingsduft, und sowohl Inga als auch Franziska haben ihn in ihren Kommentaren spontan als Zweitliebling nachgereicht. Für ein Phänomen, das den meisten Menschen namenlos ist, ist das eine erstaunliche Trefferquote. (Falls Du Dich fragst, wie dieser Geruch heißt und woher er kommt – das habe ich in meinem eigenen Beitrag über Petrichor aufgeschrieben.)
Der Duft war zuerst da, die Begründung kam danach. Fast alle beschreiben denselben Ablauf: Frage gelesen, Duft war sofort im Kopf. Hanna schreibt, kaum sei die Frage gelesen gewesen, sei der Duft schon aufgestiegen. Anita wusste es sofort, obwohl sie den Sommer gar nicht mag. Erklärt wurde erst hinterher.
Und alle wollten ihren Duft irgendwie festhalten. Das ist der Punkt, an dem ich als Seifensiederin schmunzeln musste. Inga setzt einen Likör an, Elisabeth arbeitet mit ätherischen Ölen, ich siede Seife. Wir versuchen alle, etwas haltbar zu machen, das seinem Wesen nach flüchtig ist.
Und weil ich weiß, dass die Frage kommt: Nein, Petrichor lässt sich nicht verseifen. Genauso wenig wie Freibadpommes. Bei Linde und Jasmin wird es schon schwierig genug – die zarten Blütendüfte sind ausgerechnet die, die in der Lauge am wenigsten überleben. Was in Seife wirklich hält, sind eher die robusten Sorten: Kiefernnadel zum Beispiel, Ingas harzige Ecke. Franziskas Motorradduft hätte also die besten Chancen. 🙂
Was ich aus dieser Blogparade mitnehme
Das war nach „Selbermachen macht glücklich“ meine zweite Blogparade – und die erste, bei der ich das Thema bewusst so gewählt habe, dass es nichts mit Seife zu tun haben muss. Genau das war rückblickend die richtige Entscheidung. Eine Reisebloggerin, eine Aquarellmalerin und ein Lerncoach hätten bei „Deine Lieblingsseife“ vermutlich nicht mitgemacht. Bei einem Duft konnte jede andocken.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: früher und öfter daran erinnern. Die meisten Beiträge kamen in den ersten drei Wochen, dann wurde es still – und der letzte trudelte am allerletzten Tag ein. Ein Zwischenruf Mitte Juli hätte da vermutlich noch einiges bewegt.
Am schönsten war aber etwas, das ich vorher nicht auf dem Zettel hatte: Ich habe sechs Sommer geschenkt bekommen, die nicht meiner waren. Eine Motorradfahrt durch den Kiefernwald, ein Freibad, eine Terrasse mit Jasmin, ein Urlaub auf Mallorca. Wildfremde Erinnerungen, und ich konnte sie riechen und spüren.
Danke an Inga, Hanna, Doro, Franziska, Anita und Elisabeth – ihr habt meinen Sommer riechbar gemacht. 💕
Und jetzt bist Du dran: Welcher Duft riecht für Dich nach Sommer? Die Blogparade ist zwar beendet, aber der Kommentarbereich hier unten ist weit offen. Ich lese jede einzelne Antwort. 🙂
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